Nachruf auf Prof. Dr. Rita Süssmuth
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Rita Süssmuth, einer unermüdlichen Kämpferin für die Rechte der Sinti und Roma. Ohne ihr Engagement wäre die bürgerrechtliche Situation der nationalen Minderheit nicht so, wie sie heute ist.
Aus den unterschiedlichsten Lagern erfährt Rita Süßmuth höchste Anerkennung für ihr politisches Handeln und ihren Errungenschaften in der Gesellschaft. Stets sorgte sie sich um das Wohl von Menschen, die systematisch benachteiligt waren, so auch in besonderer Weise für Sinti und Roma. Sie hatte eine Vorreiterrolle im Kampf gegen Aids oder die Gleichstellung der Frau in Gesellschaft, Beruf und Politik.
Über 50 Jahre stand uns Prof. Dr. Rita Süssmuth in allen Belangen der Sinti und Roma bei. Sie kämpfte an der Seite des Zentralrates deutscher Sinti und Roma, setzte sich für die Rechte von Sinti und Roma ein und kämpfte mit uns zusammen gegen jede Form von Rassismus. Besonders hervorzuheben ist ihr Engagement als aktives Mitglied des Stiftungsrats der Hildegard Lagrenne Stiftung, die sich für Bildung, Inklusion und gleichberechtigten Teilhabe der Sinti und Roma einsetzt. Seit 2015 setzte sie mit ihrer Leidenschaft und Gradlinigkeit deutliche Akzente in der Entwicklung der Stiftung.
Als damalige Familienministerin förderte sie das Dokumentations- und Kulturzentrum der Sinti und Roma in Heidelberg und setzte sich für die Anerkennung und Förderung der Minderheit ein. Bis zuletzt war sie in verschiedenen Kuratorien und als Beraterin der Sinti und Roma tätig, um deren Rechte und Interessen zu vertreten.
Darüber hinaus engagierte sie sich auch auf Bundesebene für die Gleichberechtigung von Sinti und Roma, zuletzt bei dem Gespräch der Bundesverbände der Sinti und Roma in Berlin am 12. Juli 2023, bei dem sie die Eckpunkte eines Staatsvertrags zwischen der Bundesregierung und der Minderheit diskutierte.
Wir verlieren mit Rita Süssmuth eine integre und loyale Partnerin und eine der stärksten Stützen, die die Bürgerrechtsarbeit der Sinti und Roma je hatte. Wir trauern um eine starke und kostbare Frau, die für ihre Verdienste mit dem Kultur- und Ehrenpreis der Sinti und Roma ausgezeichnet wurde, verliehen durch Daniel Strauß am 20. September 2017.
Wir sind unendlich traurig darüber, dass diese großartige Frau von uns gegangen ist. Aber wir sind auch sicher: sie ist geborgen dort, wohin ihr Glaube sie geführt hat. Die Zahl derer, die ihren Mut vermissen, ist unübersehbar. Wir sind glücklich, dass wir mit ihr einen gemeinsamen Weg gehen durften, einen Weg der Hoffnung und Zuversicht, einen Weg, der Perspektiven und Zukunftsvisionen öffnete, weil wir einen starken Menschen hinter unserer Minderheit wussten. Sie ist ein Vorbild für uns alle und wird uns stets in guter Erinnerung bleiben.
In aufrichtiger Anteilnahme
Alexander Diepold
Geschäftsführer der Hildegard Lagrenne Stiftung