Pressemitteilung zum internationalen RomaDay

Liebe Kolleg*innen,

wir begrüßen es sehr, dass die Berliner Bezirksämter seit Jahren durch die Hissung der Romafahne an ihren Gebäuden am 8. April die Minderheiten der Sinti und Roma zum internationalen Tag der Roma ehren und auf ihrem wichtigen Beitrag zum Zusammenleben in unserer Stadt hinweisen.

Die bis in die frühe Neuzeit zurückreichende Stereotypisierung der Minderheiten als fremde Gruppe, deren Armut und soziale Ausgrenzung vor allem selbstverschuldet sei, reicht leider bis in die heutige Zeit.  Sie führt nach wie vor zur generalisierten und essentialisierten Zuschreibung von fast durchweg negativ bewerteten Eigenschaften und hat eine Geschichte der Verfolgung und Ausgrenzung ausgelöst und gleichzeitig Resilienz und Widerstand in der Minderheit gestärkt, der nicht zuletzt dafür verantwortlich ist, dass große Teile der Politik heute die Förderung von Respekt und Teilhabe gegen über den Sinti und Roma in Deutschland unterstützen. Wir sehen die Tradition der Flaggenhissung an den Berliner Bezirksrathäusern als sehr willkommenen Teil dieser Politik. Zugleich wünschen wir uns, dass sich die symbolische Unterstützungshaltung, die durch die Flaggenhissung zum Ausdruck kommt, über das ganze Jahr erstreckt und die Solidarität gegen antiziganistische Äußerungen in der Politik einschließt, die Sinti und Roma dringend benötigen.

In diesem Rahmen solidarisieren wir uns mit unseren Kolleg*innen von Amaro Foro, die die antiziganistischen Äußerungen eines Berliner Abgeordneten in der Öffentlichkeit im November 2025 in einem offenen Brief kritisieren. Wir bedauern sehr, dass an diesem Punkt die so notwendige Unterstützung durch die Berliner Politik ausgeblieben ist. 

https://amaroforo.de/2025/11/14/offener-brief-zu-der-antiziganistischen-aeusserung-des-cdu-abgeordneten-timur-husein-am-11-11-2025-in-den-sozialen-medien/

Wir möchten die Kritik an der ausgebliebenen Unterstützung mit einer symbolischen Aktion zum Ausdruck bringen und in Solidarität mit Amaro Foro deshalb in diesem Jahr als Hildegard Lagrenne Stiftung nicht persönlich an den Ansprachen zur Flaggenhissung an den Berliner Bezirksrathäusern zum 8. April teilnehmen. Wir bitten zugleich darum, diesen Zusammenhang in den Pressemitteilungen und bei der Flaggenhissung selbst sichtbar zu machen.

Wir schlagen weiterhin vor, in diesem Zusammenhang die Kritik des Beauftragten der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutschland vom 1.12.2025 an den diffamierende Äußerungen von Politikern im Bezug auf Sinti und Roma aufzugreifen (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/diskriminierung-antiziganismus-beauftragter-kritisiert-parteifreunde-a-ef3eac7e-2e0c-486e-afb3-03adab7e38a0?sara_ref=re-xx-cp-sh)

Mit herzlichen Grüßen, Christoph Leucht